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Das Präventionsdilemma und Möglichkeiten zur Steigerung der Teilnahmequote

Mai 13, 2024
Team aus Mitarbeitenden steht im Büro und jeder hält ein Schild mit einem Fragezeichen vor das Gesicht.

Die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) hat sich als wichtiger Aspekt des modernen Arbeitsumfelds etabliert. Unternehmen erkennen zunehmend die Bedeutung der Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter [1]. Jedoch stehen sie oft vor der Herausforderung einer geringen Teilnahmequote von Gesundheitsangeboten. Dieses Problem ist eng mit dem Präventionsdilemma verbunden, welches die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen beeinträchtigen kann [2]. In diesem Artikel werden wir das Präventionsdilemma näher betrachten und zeigen, wie niederschwellige und maßgeschneiderte BGF-Angebote dazu beitragen können, die Teilnahmequote von Gesundheitsangeboten zu verbessern.

Präventionsdilemma  & Teilnahmequote von Gesundheitsangeboten – Themenübersicht

Das Präventionsdilemma und seine Auswirkungen

Niederschwellige Gesundheitsangebote als Lösungsansatz

Maßgeschneiderte Angebote für individuelle Bedürfnisse

Zusammenfassung

Das Präventionsdilemma und seine Auswirkungen:

Das Präventionsdilemma, ist auch als soziale Selektion bekannt und beschreibt die ungleichen Auswirkungen von Präventionsmaßnahmen auf verschiedene Gruppen von Beschäftigten. Es kann dazu führen, dass bestimmte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Schwierigkeiten haben, an Gesundheitsangeboten teilzunehmen oder von ihnen zu profitieren. Das Dilemma kann auf soziale und wirtschaftliche Unterschiede zurückzuführen sein, wie z.B. das Bildungsniveau (Gesundheitsbewusstsein) und Einkommen aber auch die eigenen Arbeitsbedingungen (z.B. Arbeitskultur oder Arbeitslast) [3].

Die soziale Selektion und ungleiche Auswirkungen von präventiven Maßnahmen können dazu führen, dass der Zugang zu Gesundheitsangeboten für bestimmte Mitarbeitergruppen erschwert wird. Die Gründe hierfür sind vielfälltig. Beispiele sind finanzielle Barrieren, begrenzter Zugang zu Gesundheitsinformationen, Zeitrestriktionen oder fehlende Sensibilisierung für die Vorteile der Gesundheitsförderung. Dies führt zu einer ungleichen Verteilung der Gesundheitsförderung und verstärkt bestehende Ungleichheiten [4].

Nutzen immer die gleichen Ihre Gesundheitsangebote? 

Wer sich mit Präventionsarbeit beschäftigt, wurde mit Sicherheit bereits mit Auswirkungen des Präventionsdilemmas konfrontiert. Sichtbar wird es häufig dadurch, dass Menschen durch Gesundheitsangebote erreicht werden, die ohnehin einen gesunden Lebensstil führen. Diese Personen sind bereits motiviert, sich um ihre Gesundheit zu kümmern, und nehmen daher eher die Angebote zur Prävention wahr. Menschen, die möglicherweise ein höheres Risiko für gesundheitliche Probleme haben oder weniger gesundheitsbewusst sind, werden nicht in gleicher Weise erreicht.

Das Präventionsdilemma stellt eine Herausforderung für die Präventionsarbeit dar, da das Ziel darin besteht, möglichst viele Menschen zu erreichen und gesundheitsfördernde Maßnahmen für alle zugänglich zu machen. Es erfordert eine bewusste Anstrengung, auch diejenigen anzusprechen, die nicht von Natur aus gesundheitsbewusst sind oder weniger privilegiert sind.

Indem das Präventionsdilemma erkannt und angegangen wird, können Gesundheitsangebote gezielter gestaltet werden, um eine größere Vielfalt von Menschen anzusprechen, die Teilnahmequote von Gesundheitsangeboten zu verbessern und die gesundheitliche Chancengleichheit zu fördern.

Niederschwellige Gesundheitsangebote als Lösungsansatz:

Um das Präventionsdilemma zu überwinden und die Teilnahmequote von Gesundheitsangeboten zu verbessern, spielen niederschwellige BGF-Angebote eine entscheidende Rolle. Niederschwellige Angebote zeichnen sich durch ihre einfache Zugänglichkeit und geringe Barrieren aus. Sie sollen möglichst viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ansprechen und motivieren, daran teilzunehmen.

Tatsächlich hat die Zugänglichkeit von BGF-Angeboten eine entscheidende Rolle zur Gründung von Deep Care gespielt. Obwohl unser fünfköpfiges Gründerteam bei namenhaften Konzernen mit einem umfangreichen betrieblichen Gesundheitsmanagement beschäftigt war, wurden sie durch die bestehenden Maßnahmen nicht erreicht. Die Gründe hierfür waren vielfältig, lassen sich aber auf einen zu hohen Teilnahmeaufwand und zeitliche Konflikte reduzieren. In Kombination mit der eigenen Betroffenheit von u.a. Rückenschmerzen durch das viele Sitzen entstand die Idee ein Angebot zu schaffen, welches Bewegungsförderung und Ergonomiecoaching während des Alltages ermöglicht. Nach und nach ist dadurch ISA entstanden, ein Assistenzgerät für den Büroalltag, welches eine schlechte Körperhaltung und Bewegungsmangel erkennt und über gezielte Anweisungen über einen Bildschirm vorbeugt. ISA ist natürlich nur ein Beispiel dafür wie Gesundheitsangebote zielgruppenorientiert gestaltet werden können, um Teilnahmebarrieren zu minimieren und Teilnahmequoten von Gesundheitsangeobten zu erhöhen. Hier könnt Ihr mehr über ISA erfahren

Weitere Beispiele für niederschwellige Gesundheitsangebote können sein:

  • Information und Sensibilisierung: Durch die Bereitstellung von leicht verständlichen Informationen über gesundheitsfördernde Maßnahmen und ihre Vorteile können Beschäftigte dazu ermutigt werden, ihr eigenes Wohlbefinden zu verbessern. Das kann in Form von Broschüren, Plakaten, Newslettern oder internen Kommunikationskanälen erfolgen. Durch die Nutzung interner Kommunikationskanäle wie E-Mails oder Intranet können Unternehmen ihre Beschäftigten über die verfügbaren Angebote informieren und deren Teilnahmebereitschaft steigern [5]. Um die Niederschwelligkeit zu gewährleisten, sollten die Inhalte kurz gehalten und durch Aussagekräftige Bilder und Videos anschaulich aufbereitet werden.
  • Gesundheitsaktionen & -kampagnen: Durch die Organisation von kurzen, prägnanten Gesundheitsaktionen oder -kampagnen, wie z. B. Gesundheitstage oder Challenges, können Beschäftigte auf spielerische und informative Weise für gesundheitsbewusstes Verhalten sensibilisiert werden [6]. Originalität kann hier zusätzlich dabei helfen das Interesse zu wecken.
  • Betriebliche Sport- oder Bewegungsangebote: Die Bereitstellung von sportlichen Aktivitäten und Fitnesskursen kann die Teilnahme erleichtern spricht jedoch häufig bereits Gesundheitsbewusste Mitarbeitende an. Bewegungsfördernden Maßnahmen, welche hingegend direkt am Arbeitsplatz greifen, reduzieren die Teilnahmebarrieren, da sie in den Arbeitsalltag integriert werden können und sprechen deshalb häufiger Mitarbeitende mit einer geringeren Gesundheitsmotivation an.

Maßgeschneiderte Angebote für individuelle Bedürfnisse:

Maßgeschneiderte Gesundheitsangebote sind ein weiterer wichtiger Ansatz, um die Teilnahmequote von Gesundheitsangeboten zu verbessern. Denn sie berücksichtigen die individuellen Bedürfnisse und Interessen der Beschäftigten. Durch regelmäßige Bedarfsanalysen und Mitarbeiterbefragungen können Unternehmen herausfinden, welche Gesundheitsthemen und -angebote für ihre Belegschaft am relevantesten sind.

Die maßgeschneiderten Angebote können verschiedene Formen annehmen. Von betrieblichen Sport- und Bewegungsangeboten über Stressmanagement-Programme bis hin zu Ernährungsberatung oder Raucherentwöhnungsprogrammen. Indem die Angebote an die spezifischen Arbeitsbedingungen, Gesundheitsrisiken und Präferenzen der Beschäftigten angepasst werden, wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie sich engagieren und davon profitieren [7].

Wie oben beschrieben, wurde ISA speziell für die Arbeitsbedingungen von z.B. Schreibtischarbeitsplätzen entwickelt und richtet sich vor allem an Beschäftigte, die zwar ein Risiko für Muskel-Skelett-Erkrankungen haben, aber keinen großen Aufwand betreiben wollen, um dies zu vermeiden. Auch wenn ISA für eine breite Zielgruppe konzipiert wurde, ist es ratsam, die Bedürfnisse der eigenen Mitarbeiter im Vorfeld zu ermitteln. So wird sichergestellt, dass das Angebot von vielen angenommen wird, dass es an die entsprechenden Zielgruppen kommuniziert werden kann und dass diese zielgruppengerecht angesprochen werden können. Hier seht Ihr ein Beispiel, wie das in der Praxis umgesetzt werden kann. 

Zusammenfassung:

Das Präventionsdilemma und die geringe Teilnahmequote von Gesundheitsangeboten sind Herausforderungen, denen sich Unternehmen im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung stellen müssen. Jedoch können niederschwellige und maßgeschneiderte BGF-Angebote dazu beitragen, diese Probleme zu überwinden.
Um die Teilnahmequote an BGF-Angeboten zu erhöhen, ist es wichtig:

  • Zugänglichkeit sicherzustellen: Angebote sollten für alle Beschäftigten zugänglich sein, unabhängig von ihrer Position im Unternehmen, ihrem Einkommen oder ihrer Arbeitszeit. Flexibilität bei der Teilnahme, wie zum Beispiel verschiedene Zeitfenster oder dezentrale Angebote sowie Angebote mit geringem Aufwand können dazu beitragen, Barrieren abzubauen.
  • Bedürfnisse der Beschäftigten berücksichtigen: Durch regelmäßige Bedarfsanalysen und Mitarbeiterbefragungen kann ermittelt werden, welche Gesundheitsthemen und -angebote für die Beschäftigten am relevantesten sind. So können die Angebote gezielt auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten werden.
  • Kommunikation und Werbung: Eine effektive interne Kommunikation und gezielte Werbung für die Gesundheitsangebote sind entscheidend, um das Bewusstsein zu schärfen und die Motivation zur Teilnahme zu erhöhen. Dies kann über verschiedene Kommunikationskanäle wie E-Mails, Intranet, Plakate oder interne Veranstaltungen erfolgen. Tipps zum BGF-Marketing erhaltet Ihr hier
  • Mitarbeiterbeteiligung und -engagement fördern: Die Einbindung der Beschäftigten in die Gestaltung und Durchführung von Gesundheitsprogrammen kann ihre Motivation zur Teilnahme steigern. Dies kann beispielsweise durch die Einrichtung eines Gesundheitsausschusses oder die Bildung von Gesundheitsbotschaftern im Unternehmen erfolgen.

Durch niederschwellige Angebote, die einfach zugänglich sind und wenige Barrieren haben, wird eine breitere Teilnahmebasis geschaffen. Gleichzeitig ermöglichen maßgeschneiderte Angebote den Beschäftigten, ihre individuellen Bedürfnisse und Interessen im Bereich der Gesundheitsförderung zu berücksichtigen.

Indem Unternehmen das Präventionsdilemma anerkennen und gezielte Maßnahmen ergreifen, um niederschwellige und maßgeschneiderte Gesundheitsangebote bereitzustellen, können sie die Teilnahmequote an BGF-Angeboten erhöhen und die Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Beschäftigten nachhaltig fördern.

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